Der "Rio Negro" des Vogtlandes
Der Schwarzbach hatte schon viele Namen

Ein Text vo Heimatforscher Werner Pöllmann, Siebenbrunn

Die ältesten Schriftstücke über das Tal, in dem sich später das Weichbild von Markneukirchen erstreckten sollte, sind zwei kirchliche Urkunden aus dem 12. Jahrhundert. 1122 wurde durch den Bischof von Naumburg der Pfarrsprengel von St. Johannis zu Planen, der Gaukirche des Vogtlandes, beschrieben, der sich bis "scam Alestram" (Zweite oder Heilige Elster) erstreckte. Und 1165 schenkte König Wladislaw von Böhmen der Zisterzienserstift Waldsassen einen Teil des Elstergebirges, der bis ins menschenleere Tal der "Helstre inferius" (Geringere oder Schwächere Elster) reichte und zum Bistum Regensburg kam. Damit war der rechte Nebenfluss der Weißen Elster gleichsam zur Südgrenze des Vogtlandes und zur Nordgrenze des Egerlandes geworden.

Übersetzt man die verschiedenen lateinischen Namensformen dieses Flusses, so erhält man "Heilige", "Zweite" , oder "Kleine Elster" im Gegensatz zur "Rechten" (Richtigen)", Ersten", "Großen" oder Weißen Elster', in die Erstere in Adorf, dem Dorf an der "ahe" (= Fluss) mündet. Zwischen beiden Quellflüssen der zur Saale strömenden Elster (Es gibt auch eine Elster als rechten Nebenfluss der Eibe in der Lausitz!) erstreckt sich das vogtländische Elsterland mit dem Elstergebirge, das neuerdings von Geowissenschaftlern nicht mehr als Klammer zwischen Erz und Fichtelgebirge, sondern als Teilraum des Letzteren definiert wird, der erst südlich des Hohen Steins beginnt. Alestra soll ähnlich wie Alster oder Unstrut "fließen" und "strömen bedeuten. Andere Namensforscher leiten das Wort von "Erlen" ab, da diese Bäume das Bachufer säumten und auch der Ortsname ErIbach dafür steht. Auf keinen Fall hängt es mit den diebischen Vögeln zusammen, diese benutzte man erst nach 1300 als heraldische Symbole für die Flüsse (vgl. Abbildung oder Stadtwappen von Bad Elster und Elsterberg!).

Die Flussnamen sind hier älter (vorslawisch) als die Ortsnamen. Das Tal wurde im 13. Jahrhundert von Süden her besiedelt und noch im 15. Jahrhundert ist der Name "Kleine Elster" für den Bach nachweisbar. Beide Flüsse, die Richtige (1122 rectam) und die Kleine (1181 minor) Elster blieben ein Paar, für dessen Unterscheidung sich später der Schwarz Weiß Gegensatz durchsetzte. 1628 nannte Wilhelm Dilich (1571 1655) in seiner Federzeichnung von ..Neukirch" (Nummer 35) den Fluss ..Schwarze Elster". Vermutlich war "Kleine Elster noch nicht ganz vergessen und "Schwarzbach" hatte sich noch nicht eingebürgert. Auch die Bezeichnung .,Schwarzwasser" ist überliefert Schwarzwasserflüsse sind durch Huminsäuren (die besonders in Mooren gebildet werden) dunkel gefärbt aber klar. Weißwasserflüsse sind trüb durch ihre Schwebstofffracht. Flüsse mit völlig farblosem Wasser nennt mm Klarwasserflüsse. Am Zusammenfluss in Adorf konnte man wohl früher gut erkennen, dass von Osten dunkleres und von Süden leicht eingetrübtes Wasser herangeführt wurde.

Doch im 17. Jahrhundert wurde aus der Schwarzen Elster der "Floßbach". 1542 entstand in der Landesgemeinde ein kurfürstliches Waldrevier und 1578 begann man mit der Flößerei. Drei Jahre später wurde der Hintere Floßteich gebaut, den mm 1922 für Naherholungszwecke rekonstruiert hat. 1595 war die Hälfte des Landesgemeindewaldes verhauen und eine Forstordnung bestimmte die planvolle Wiederbestockung. So ausgedehnte Floßgrabensysteme wie im Einzugsgebiet der Mulde und Göltzsch, mit denen sogar zwei Wasserscheiden überquert wurden, brauchte man hier nicht. Als Flussnamen sind auch "Utret" sowie neben Flößbach auch "Flötzbach" belegt ( vgl. Wild, Erich: Geschichte von Markneukirchen, 1925, S. 13, 59, 67).

Die Floßknechte waren Saisonarbeiter, die viele tausend Klafter Holz vorbereiten mussten, um die Scheite nach der Schneeschmelze hinab nach Adorf und weiter über die Elster nach Greiz, Gera, Zeitz und Leipzig bis nach Halle zu flößen, wo das Holz als Heizmaterial von den Salzsiedern gebraucht wurde. Bis es am Ziel war, dauerte es mehrere Jahre, da man bei Niedrigwasser die Fracht aus dem Fluss, da man bei Niedrigwasser die Fracht aus dem Fluss nehmen musste, um den Transport im nächsten Frühjahr fortzusetzen. In Leipzig gibt es noch heute eine Grünanlage mit dem Namen "Floßplatz", der allerdings nicht an die Elster , sondern an die Pleißeflößerei erinnert. Der Holzverkauf aus dem Vogtland war eine sichere Einnahmequelle für die kurfürstlichen Kassen in Dresden.

Die Markneukirchner hatten keinen Gewinn von der Flößerei. Im Frühjahr wurden lediglich die Bachufer zertrampelt und der Forellenfang beeinträchtig. Zu Beginn der Flößerei sollten auch Markneukirchner Bürger als Holzhauer verpflichtet werden. Da die Stadt noch dem Amt Voigtsberg unterstand und erst 1627 mit dem Erwerb der Gerichtsbarkeit volle Eigenständigkeit bekam, konnte man sich dieser Forderung nur schwer widersetzen. 1693 überließ man ca. 1000 Klafter aus dem Stadtwald am Hohen Brand der Flöße, um Geld für ein neues Hospital einzunehmen.

Im 19. Jahrhundert, spätestens mit dem Eisenbahnanschluss (Adorf und Falkenstein 1865) war das Ende der Flößerei gekommen. Der Floßbach kehrte zu seinem alten Namen zurück. 1793 ist in der Adorfer Flur schon wieder der "Schwarzbach' verzeichnet, während das Gewässer in Siebenbrunn noch Floßbach hieß. Die Bezeichnung "Schwarzbach" dehnte sich entgegen der Fließrichtung aus. Oberhalb von Erlbach hatte sich der "Floßbach" noch bis in die 1970er Jahren erhalten. Doch spätestens mit dem am 7. Oktober 1979 (30. Jahrestag der DDR) eröffneten Ferienheim "Schwarzbachtal" (die integrierten Zollhäuser stammen von 1936) in der Landesgemeinde war es auch dort mit dein "Floßbach" vorbei.

Im Musikinstrumentenmuseum Markneukirchen hängt in der "Schuster Diele" ein Ölbild des romantischen Landschaftsmalers Rudolf Schuster (1848 1902) mit dem Titel "Schwarzbachquelle". Wahrscheinlich ist hier nicht der Fluss seiner Vaterstadt gemeint, da Schuster deutschlandweite Motive verarbeitet hat und die Gegend ganz anders ausschaut. Der 819 Meter hohe Gipfel des Ursprungberges liegt nur 500 Meter jenseits der Landesgrenze in Böhmen und macht seinem Namen mit vier Quellgebieten alle Ehre. Er ist vollständig mit Fichtenwald bedeckt und damit ohne jede Aussichtsmöglichkeit. Auf seiner Südflanke entspringen die Vordere und Hintere Leibitsch, zwei Quellarme eines linken Nebenflusses der Eger. Nach Osten fließt der Markhausener Bach zur Zwota/Zwodau. Diesseits der Wasserscheide zwischen Eger und Elster sammelt sich am Nordhang nahe der Landesgrenze der Niederschlag in einem Sumpf, den der "Hintere Lange Bach" entwässert. Er ist der längste Quellarm des Schwarzbachs.

In Markneukirchen gibt es seit 1891 offizielle Straßennamen. Die Straße "Am Flößbach" wurde am 12. Januar 1891 in das erste Straßenverzeichnis aufgenommen. Die "Schwarzbachstraße" folgte am 26. Februar 1891 beim zweiten Nachtrag. "Am Flößbach" hieß zwischen Mai 1903 und Juli 1929 "Flößbachstraße", was aber zu Verwechslungen mit der Schwarzbachstraße führte und deshalb wieder rückgängig gemacht wurde. Eine Schwarzbachstraße gibt es noch 28 mal in den "alten Bundesländern". In der Ex DDR ist sie einmalig. "Am Flößbach" ist deutschlandweit einzigartig.

Der Markneukirchner Chronist Erich Wild bedauerte stets, dass man sich nicht wieder auf den ursprünglichen Namen "Kleine Elster" besonnen hatte. Doch diese klangvolle Bezeichnung war wohl damals in ziemliche Vergessenheit geraten. Schwarze Elster kam wohl auch wegen des gleichnamigen Flusses östlich der Elbe, den mit der zunehmenden geographischen Allgemeinbildung mittlerweile jedermann kannte, nicht mehr in Frage (?). Was in Adorf am Zusammenfluss von Schwarzbach und Weißer Elster im kleinen und mit kaum sichtbaren Farbunterschied nur zu erahnen ist, kann man im Brasilien in riesiger Dimension bestaunen. Der "Rio Negro" ergießt sich unterhalb von Manaus wie dunkler Kaffee in das milchig trübe Wasser des Amazonas.

Text von Werner Pöllmann, Siebenbrunn